Wasser marsch! Wie Kelsterbach Platz macht für den Nahverkehr der Zukunft
Wer dieser Tage mit dem Auto von der B40 abbiegt und in die Frankfurter Straße bei Kelsterbach fährt, sieht – nichts. Keine Bagger, keine Absperrungen, kein Baulärm. Doch wer jetzt denkt, hier sei in den letzten Monaten nichts passiert, irrt gewaltig. Denn während oben der Alltag seinen gewohnten Gang nahm, wurde unten drunter ordentlich gebohrt, gepumpt, gespült.
Die Regionaltangente West (RTW) – Zukunft auf Schienen, aber bitte trocken!
Damit die RTW in Zukunft leise, schnell und klimafreundlich fahren kann, musste ein kleines, aber entscheidendes Problem aus dem Weg geräumt werden: Zwei dicke Trinkwasserleitungen der Hessenwasser GmbH & Co. KG, die sich partout nicht mit der geplanten Bahntrasse anfreunden wollten. Die Lösung? Umlegen. Aber nicht irgendwie – sondern nach den strengen Kreuzungsrichtlinien der Deutschen Bahn und mit jeder Menge technischem Feingefühl.
Stahlbrücke, Startgrube, Superbohrer: Eine Baustelle der Superlative
Los ging’s im Herbst 2024 mit der Einrichtung der Baustelle. Zwei neue Baustraßen und eine eigens errichtete Stahlbrücke sorgten für den nötigen Zugang ins Gelände – mitten im Waldgebiet. Und weil hier nicht mit dem Handspaten gebuddelt wird, musste schweres Gerät her. Ein Bohrgerät der Extraklasse wurde angeliefert, nicht ohne einige logistische Kunststücke.
Dann hieß es: Gruben ausheben, sichern, vorbereiten. Beton rein, Kopfbalken drauf, Entwässerungsmulden nicht vergessen – und einmal tief durchatmen, bitte.
(Bilder: RTW GmbH/Gerauer)
Hightech unter Tage: Wenn Tunnelbau zur Präzisionsarbeit wird
Im Frühjahr 2025 kam dann der große Moment: Die Pilotbohrung. Mit chirurgischer Präzision wurde der Weg für das sogenannte Microtunneling vorbereitet – eine Hightech-Methode, bei der unterirdisch gebohrt wird, ohne den Boden oben aufzureißen. Stück für Stück wurden die Rohre eingesetzt, vermessen und eingepasst. Eine Montage, bei der Millimeterarbeit zählt.
Nach Molch- und Kalibrierungsdurchgängen – ja, auch Wasserleitungen müssen trainiert werden – sowie jeder Menge Kontrollmessungen, hieß es dann Anfang April endlich: Wasser marsch! Die neue Leitung wurde ans Netz angeschlossen – sicher, dicht und bereit für die nächsten Jahrzehnte.
Was bleibt? Ein unsichtbares Meisterwerk und ein freier Weg für die RTW
Heute ist von all dem nichts mehr zu sehen. Die Baugruben sind verfüllt, die Zufahrtsstraßen zurückgebaut, der Wald atmet auf. Und unter der Erde? Da rauscht es schon – ganz unspektakulär, ganz selbstverständlich. Doch was dort passiert, ist ein wichtiger Schritt für die Mobilität von morgen.
Die RTW ist wieder ein Stück weiter – und Kelsterbach hat gezeigt: Große Fortschritte passieren manchmal leise, tief unter unseren Füßen.
Fun Fact zum Schluss:
Wussten Sie, dass bei solchen Bohrungen sogenannte Molche eingesetzt werden? Keine echten, sondern Hightech-Geräte, die durch die Leitungen schwimmen und prüfen, ob alles dicht und rund läuft. Technik kann eben auch tierisch clever sein.