Glossar

Von Aufständerung bis Zweisystemfahrzeug: Hier finden Sie die wichtigsten Abkürzungen und Fachbegriffe rund um den Bau der Regionaltangente West – kurz erklärt und alphabetisch sortiert.

A

Aufständerung

Eine Aufständerung bezeichnet einen erhöhten Streckenabschnitt, bei dem Gleise auf Stützen, Pfeilern oder Brückenbauwerken geführt werden. So können bestehende Verkehrswege, Gleisanlagen oder andere Hindernisse kreuzungsfrei überquert werden.

B

Baufeldfreimachung

Bevor mit dem eigentlichen Bau begonnen werden kann, muss das Baufeld vorbereitet werden. Dazu gehören unter anderem Rodungen, Leitungsverlegungen, Kampfmittelsondierungen oder der Rückbau bestehender Anlagen.

BOStrab (Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen)

Die BOStrab regelt Bau und Betrieb von Straßenbahnen sowie bestimmten ober- und unterirdischen Bahnen, die nicht nach Eisenbahnrecht betrieben werden. Für die RTW ist sie relevant, weil die Zweisystemfahrzeuge sowohl auf Eisenbahn- als auch auf städtischer Infrastruktur verkehren können.

D

dB(A)/Dezibel (A)

Geräusche entstehen durch Schwingungen und breiten sich als Schallwellen aus. Die Stärke des Schalls – also die Lautstärke – wird in Dezibel gemessen. Das „A“ in dB(A) bezeichnet einen Bewertungsfilter, der die Geräuschempfindlichkeit des menschlichen Gehörs berücksichtigt. Tiefe Töne werden vom Menschen weniger stark wahrgenommen als hohe Frequenzen. Deshalb werden Verkehrsgeräusche in der Einheit dB(A) angegeben.

Durchpressung

Bei einer Durchpressung wird ein Rohr oder Tunnelbauteil unterirdisch durch den Boden geschoben – beispielsweise unter Straßen oder Gleisanlagen hindurch. Dadurch können Leitungen oder Bauwerke hergestellt werden, ohne die Oberfläche vollständig öffnen zu müssen.

Durchstich

Ein Durchstich bezeichnet die Herstellung einer neuen Verbindung oder Öffnung – etwa zwischen Tunnelbauwerken oder Verkehrswegen. Beim Kreuzungsbauwerk Neu-Isenburg trafen beim Durchstich erstmals beide Tunnelhälften des künftigen RTW-Bauwerks unter der Erde aufeinander.

E

Einhub

Als Einhub bezeichnet man das präzise Anheben und Einsetzen großer Bauteile – beispielsweise von Brücken oder Stahlüberbauten – mithilfe von Großkränen. Solche Arbeiten finden häufig innerhalb kurzer Sperrpausen statt und erfordern umfangreiche Vorbereitung.

Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO)

Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung regelt den Bau und Betrieb regelspuriger Eisenbahnen in Deutschland. Für die RTW ist sie relevant, weil die Zweisystemfahrzeuge auch auf Eisenbahninfrastruktur verkehren können.

→ Siehe auch BOStrab

Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung (EBWU)

Die EBWU untersucht die Leistungsfähigkeit von Eisenbahninfrastruktur. Ziel ist es, Infrastruktur und Betriebsprogramm so zu planen, dass ein leistungsfähiger und stabiler Betrieb gewährleistet werden kann.

Eisenbahnüberführung (EÜ)

Eine Eisenbahnüberführung bezeichnet die höhenfreie Kreuzung einer Eisenbahnstrecke mit einem anderen Verkehrsweg (im Gegensatz zu höhengleichen Bahnübergängen). In der Regel wird sie als Eisenbahnbrücke ausgeführt.

Elektronisches Stellwerk (ESTW)

Ein elektronisches Stellwerk steuert Weichen und Signale im Bahnverkehr digital und rechnergestützt. Im Gegensatz zu früheren mechanischen Stellwerken können moderne ESTW zentral überwacht und bedient werden.

Erkundungsbohrung

Erkundungsbohrungen dienen dazu, Informationen über den Baugrund zu gewinnen. Dabei werden Bodenproben entnommen und untersucht, um die Tragfähigkeit des Untergrunds sowie mögliche Besonderheiten für die spätere Planung und den Bau zu ermitteln.

Ersatzmaßnahme

→ Siehe auch Kompensationsmaßnahme

European Train Control System (ETCS)

Das ETCS ist ein europaweit standardisiertes Zugbeeinflussungssystem. Es überwacht Geschwindigkeiten und Fahrberechtigungen von Zügen und greift automatisch ein, wenn Sicherheitsgrenzen überschritten werden. Mit ETCS soll langfristig ein einheitlicher europäischer Standard für sicheren und grenzüberschreitenden Bahnverkehr geschaffen werden.

F

Fahrwegkapazität

Die Fahrwegkapazität beschreibt, wie viele Zugfahrten ein bestimmter Abschnitt der Infrastruktur in einem Zeitraum aufnehmen kann. Sie hängt unter anderem von Gleisen, Weichen, Signalen, Halten, Fahrzeiten und Sicherheitsabständen zwischen den Zügen ab.

H

Hauptverkehrszeit (HVZ)

Die Hauptverkehrszeit beschreibt die Zeiträume mit besonders hoher Verkehrsnachfrage. Sie wird vor allem durch Berufs- und Schulverkehr geprägt. Typische Hauptverkehrszeiten liegen werktags zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 16 und 19 Uhr.

→ Siehe auch NVZ

Hilfsbrücken

Hilfsbrücken sind temporäre Brückenkonstruktionen, die während der Bauzeit installiert werden. Sie ermöglichen es, den Zug- oder Straßenverkehr aufrechtzuerhalten, während darunter das endgültige Bauwerk entsteht. Auf der RTW kommen Hilfsbrücken unter anderem am Kreuzungsbauwerk Neu-Isenburg zum Einsatz.

I

Immissionen

Immissionen sind Einwirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft oder Sachgüter. Dazu zählen zum Beispiel Lärm, Erschütterungen, Licht, Wärme oder Luftverunreinigungen. Bei Infrastrukturprojekten werden mögliche Immissionen im Rahmen der Planung untersucht und bewertet. Je nach Ergebnis können Schutzmaßnahmen, Minderungsmaßnahmen oder Auflagen festgelegt werden.

K

Kampfmittelsondierung

Vor Beginn von Bauarbeiten wird geprüft, ob sich im Baugrund noch Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg befinden – etwa Blindgänger oder Munition. Erst wenn das Gelände als kampfmittelfrei gilt, können die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Kompensationsmaßnahme

Kompensationsmaßnahmen dienen dazu, unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft auszugleichen oder zu ersetzen. Dazu zählen insbesondere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, etwa Pflanzungen, Aufforstungen, ökologische Aufwertungen, Renaturierungen oder die Schaffung neuer Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Bei Infrastrukturprojekten wie der RTW werden solche Maßnahmen im Rahmen der Genehmigungsplanung festgelegt, um Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu kompensieren.

→ Umwelt- & Naturschutz

Kreuzungsbauwerk

Ein Bauwerk, das eine bestehende Schienenverbindung entweder überquert (= Brücke) oder unterquert (= Tunnel).

L

Landschaftspflegerischer Begleitplan (LBP)

Der Landschaftspflegerische Begleitplan ist Bestandteil der Planungs- und Genehmigungsunterlagen. Er beschreibt, welche Eingriffe in Natur und Landschaft durch ein Vorhaben entstehen können und welche Maßnahmen vorgesehen sind, um diese Eingriffe zu vermeiden, zu mindern oder zu kompensieren. Dazu gehören Schutz-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Der Landschaftspflegerische Begleitplan wird durch die RTW erarbeitet und mit den zuständigen Landesbehörden so abgestimmt, dass Eingriffe in Natur und Landschaft weitestgehend vermieden werden. Unvermeidbare Beeinträchtigungen werden bewertet und durch geeignete Schutz-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen kompensiert.

N

Nebenverkehrszeit (NVZ)

Die Nebenverkehrszeit beschreibt Zeiträume mit niedriger bis normaler Verkehrsnachfrage. Sie liegt typischerweise zwischen 9 und 16 Uhr.

→ Siehe auch HVZ

Netzkapazität

Die Netzkapazität beschreibt die Leistungsfähigkeit eines gesamten Eisenbahnnetzes mit mehreren Strecken und Knoten. Dabei können einzelne Engpässe die Leistungsfähigkeit des gesamten Netzes begrenzen.

Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU)

Die Nutzen-Kosten-Untersuchung ist ein standardisiertes Verfahren zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Verkehrsprojekten. Dabei werden Nutzen – etwa Zeitersparnis, bessere Erreichbarkeit oder CO₂-Reduktion – den Kosten gegenübergestellt.

Das Ergebnis ist eine wichtige Grundlage für die Bewertung und Förderung von ÖPNV-Infrastrukturprojekten.

P

Planfeststellungsverfahren (PFV)

Das Planfeststellungsverfahren ist ein förmliches Verwaltungsverfahren für große Infrastrukturprojekte. Es stellt sicher, dass alle rechtlichen Vorgaben eingehalten sowie öffentliche und private Belange berücksichtigt werden. Nach Abschluss erlässt die zuständige Behörde einen Planfeststellungsbeschluss.

R

Retentionsräume

Retentionsräume sind Flächen, auf denen sich Wasser bei Starkregen oder Hochwasser ausbreiten und zwischengespeichert werden kann. Die RTW schafft an einigen Gewässern, beispielsweise am Westerbach, zusätzlichen Retentionsraum. So wird die lokale Starkregenvorsorge und der Hochwasserschutz gezielt verbessert.

S

Self Propelled Modular Trailer (SPMT)

Ein SPMT ist ein selbstfahrender modularer Schwerlasttransporter, mit dem besonders große und schwere Bauteile bewegt werden können. Die Fahrzeuge verfügen über viele einzeln lenkbare Achsen und ermöglichen millimetergenaue Transporte – beispielsweise von Brückenbauteilen oder Stahlüberbauten.

Sperrpause

Jedes Eisenbahngleis ist auf der freien Strecke durch Signale in Abschnitte aufgeteilt, die von den Fachleuten „Blöcke“ genannt werden. Die Sperrpause bezeichnet die Zeit, in der ein Fahrwegabschnitt von einer Zugfahrt beansprucht wird und deshalb für andere Fahrten nicht zur Verfügung steht.

Spindel

Eine Spindel ist ein gewendeltes, schneckenförmiges Bauwerk, das Höhendifferenzen bei Auf- oder Abfahrten auf engem Raum überwindet. Beim Bau der RTW wird sie eingesetzt, um Radwege sicher, platzsparend und unter Einhaltung zulässiger Steigungsgrenzen über Verkehrswege zu führen. 

Spundwand

Eine Spundwand ist eine temporäre oder dauerhafte Wandkonstruktion aus Stahl, Beton oder Holz, die Baugruben sichert oder Erdreich und Wasser zurückhält. Die einzelnen Elemente werden tief in den Boden eingebracht und häufig zusätzlich rückverankert.

Stabbogenbrücke

Eine Stabbogenbrücke ist eine spezielle Brückenform, bei der die Fahrbahn an einem Bogen aufgehängt ist. Dadurch können große Spannweiten ohne zusätzliche Pfeiler realisiert werden – etwa zur Überquerung komplexer Verkehrsknoten. Im Bereich des Frankfurter Gleisdreiecks entsteht eine solche Brücke für die RTW.

T

Tangente

Als Tangente bezeichnet man im Verkehrswesen eine Verbindung, die mehrere Städte oder Regionen miteinander verknüpft, ohne über das zentrale Stadtzentrum zu führen. Die Regionaltangente West schafft dadurch neue Direktverbindungen im Rhein-Main-Gebiet – ohne Umweg über den Frankfurter Hauptbahnhof.

U

Umschluss

Ein Umschluss bezeichnet die technische Einbindung neuer Anlagen in bestehende Infrastruktur – beispielsweise bei Leitungen, Gleisen oder Signaltechnik. Im Zuge der RTW wurden beispielsweise Leitungen umgelegt und neu angeschlossen, damit die Bauarbeiten und die bestehende Versorgung parallel funktionieren können.

Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)

Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist ein gesetzlich geregeltes Prüfverfahren. Sie untersucht und bewertet, welche Auswirkungen ein Vorhaben auf Menschen, Tiere, Pflanzen, biologische Vielfalt, Fläche, Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaft sowie Kultur- und Sachgüter haben kann. Die Ergebnisse fließen in das Genehmigungsverfahren ein und sind eine wichtige Grundlage für die Abwägung durch die zuständige Behörde.

W

Widerlager

Ein Widerlager ist ein tragendes Bauteil einer Brücke. Es nimmt die Kräfte der Brückenkonstruktion auf und leitet sie in den Baugrund ab. Widerlager bilden den Übergang zwischen Brücke und Erddamm und sorgen gemeinsam mit Fundamenten und Flügelwänden für die Stabilität des Bauwerks.

Z

Zweisystemfahrzeug

Ein Zweisystemfahrzeug kann sowohl auf Eisenbahnstrecken als auch im Stadtbahnnetz fahren. Dadurch ermöglicht die RTW Direktverbindungen ohne Umstieg zwischen regionaler und innerstädtischer Infrastruktur. Die Fahrzeuge sind 2,65 Meter breit, rund 50 Meter lang, bis zu 100 km/h schnell und bieten Platz für bis zu 360 Fahrgäste pro Fahrzeug – beziehungsweise bis zu 720 Fahrgäste in Doppeltraktion. Das „Two-in-one“-System verbindet damit die Vorteile von Eisenbahn und Stadtbahn.