Archäologische Funde bei der RTW: Wo uns auf dem Weg in die Zukunft die Vergangenheit begegnet

Tonscherben, verzierte Gefäße und andere Hinweise auf längst vergangene Zivilisationen: Beim Bau von Infrastruktur kommen häufig spannende historische Fundstücke zu Tage. Solche Begebenheiten sind fest eingeplant und stehen dem termingerechten Baufortschritt in der Regel nicht im Wege. So auch bei der RTW, dem zentralen Infrastrukturprojekt in der Rhein-Main-Region. Liegt ein Fund aber erst mal auf dem Tisch, ist es – egal ob archäologische Sensation oder antike Massenware –, Teil unserer Verantwortung, mit den Zeugnissen unserer Geschichte respektvoll zu verfahren. Ein aktueller Fund zeigt, wie so etwas abläuft.

Noch bevor der Bau beginnen kann, werden in der Regel archäologische Gutachten erstellt. Eine solche planmäßige Untersuchung brachte in Eschborn (PfA Mitte) kürzlich faszinierende Entdeckungen zu Tage. Bei einem der Maststandorte auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in direkter Nähe zum Sulzbach nördlich der Autobahn 66 wurden zwei Fundstellen freigelegt. Darin fanden die Archäologen u.a. eine verzierte Schale sowie ein Kochgefäß aus der Eisenzeit. Wir haben nachgefragt und erfuhren, dass die Funde aus einer Siedlungsstelle des 3./2. Jahrhunderts vor Christus stammen. Gruben wie diese, in denen die kulturellen Überbleibsel entdeckt wurden, lagen oft in der Nähe von Wohnhäusern oder Äckern und dienten zunächst der Vorratshaltung und später als Abfallgruben.

Kultur und Landschaft im Wandel

Die Bruchstücke der verzierten Schale sind besonders interessant, da sie uns mehr über die kunstfertigen Handwerker der Kelten, die damals hier lebten, verraten. Diese Menschen, die in Frankreich als Gallier bekannt sind, prägten hier die Kultur lange bevor Julius Caesar dorthin vordrang. Sie besaßen bereits Münzgeld und errichteten die ersten Städte in unserer Region, lebten jedoch meist in Dörfern.
Der aktuelle Fund wird nun am Standort der Grabungsfirma nach den Richtlinien des hessischen Landesamts für Denkmalschutz geputzt und diesem im Anschluss übergeben. Wir sind gespannt, welche archäologischen Kunstwerke uns im Zuge der Planung und des Baus der RTW noch begegnen werden.
In jedem Fall verdeutlichen solche Geschichten, wie wichtig es ist, archäologische Arbeiten in der Projektplanung von vornherein zu berücksichtigen und zu jeder Zeit verantwortungsvoll mit der Geschichte von Landschaft und Gesellschaft umzugehen. Sie zeigen auch, wie abwechslungsreich die Arbeit an einem Infrastrukturprojekt wie der Regionaltangente West ist.

Ein Blick in die Vergangenheit – Verzierte Tonscherben aus der Keltenzeit (Bilder: WiBA GmbH - Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie, Marburg)

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