Baustelle Kelsterbach: Neue Eisenbahnüberführung nimmt Gestalt an
Baugrube ausheben, Fundamente einschalen, Bewehrungen setzen und Beton gießen – in den letzten zweieinhalb Monaten hat sich auf der Baustelle am südlichen Ortsrand von Kelsterbach einiges getan. An dieser Stelle, nahe der Bundesstraße B40, wird die Regionaltangente West künftig die alte DB-Strecke, auf der unter anderem die S-Bahnlinien 8 und 9 verkehren, schnell und klimafreundlich unterqueren. Dafür ist es notwendig, die bestehende Strecke auf eine neue Eisenbahnüberführung (EÜ 3683) zu verlegen und darunter Platz für die neuen Nahverkehrskapazitäten zu schaffen. Ein komplexes Bauvorhaben, denn bevor das fertige Bauwerk in die Endlage eingeschoben werden kann, sind umfangreiche Vorarbeiten nötig.
Von Aushub bis Einschub: Ein Puzzle aus Stahl, Beton und Hightech
Anfang September 2025 starteten die Bauarbeiten mit dem Aushub der Baugrube und der Herstellung der sogenannten Sauberkeitsschicht. Das ist eine dünne Betonschicht, die als ebene und schützende Unterlage für das Fundament dient. Parallel dazu fanden Messungen mit speziellen Gleis-Messanlagen statt. Dieser aufwändige Schritt ist essenziell, um die spätere Position der Schienen millimetergenau zu bestimmen und zu überprüfen.
Mitte September ging es dann mit der Betonage der ersten Fundamente weiter: Die Fundamentplatte auf der Ostseite und die Sockelwände auf der Westseite wurden eingeschalt und betoniert. Außerdem wurde die Baugrube im Norden erweitert und die Baustellflächen geräumt.
Mittlerweile sind die Wände fertiggestellt und auch die Decke ist eingeschalt. Nach und nach entsteht so das Bauwerk, das später eingeschoben wird.
Präzise Planung vermeidet längere Störungen im Bahnverkehr
Von außen wirken die unterirdischen Arbeiten in der leeren Grube eher unscheinbar – im Hintergrund aber steuert eine minutiöse Planung den hochkomplexen Prozess. Von der Rückverlegung der Signalanlage über den Kabeltiefbau bis hin zu Verschwenkungen der Oberleitung muss jeder Arbeitsschritt genau abgestimmt sein, um den reibungslosen Verkehr auf der bestehenden DB-Strecke 3683 nicht zu stören. Die Baustelle ist damit ein technisches und logistisches Meisterwerk und entspricht damit den hohen Ansprüchen moderner Mobilität.
In wenigen Monaten wird die Eisenbahnüberführung in die Endlage eingeschoben. Warum so „kompliziert“? Ganz einfach: Würde man die Brücke direkt in ihrer endgültigen Position errichten, würde das die Sperrung der S-Bahn-Strecke für den Zugverkehr deutlich verlängern. Indem der Einschub aber erst zum Schluss erfolgt, können die Züge während der Bauphase einfach weiter verkehren.
Auch wenn der Brückeneinschub immer einen Höhepunkt eines solchen Projekts darstellt: Vorbei ist es danach noch lange nicht. Schließlich muss das Bauteam die Baugruben wieder verfüllen, die neuen Gleise für die RTW verlegen und rechts und links Wälle und Böschungen gestalten.
Baustelle Kelsterbach: Stand im Oktober (links) im Vergleich zu heute (rechts) mit fertiggestellten Wänden und eingeschalter Brückendecke.
(Bilder: RTW GmbH/Gerauer)