Präzision im Nebel: Stahlträger für die EÜ K162

von Lukas Diehlmann

Im Scheinwerferlicht hebt der Kran die Stahlträger präzise an ihren Platz. In Kelsterbach wächst die neue Überführung über die K162. Vier Hauptträger, tausende Kubikmeter Beton und ein exakt abgestimmter Prozess machen aus Planung sichtbare Infrastruktur.

Nächtliche Arbeiten an der K162: Mit dem Einhub von vier tonnenschweren Stahlträgern nimmt die neue Eisenbahnüberführung Gestalt an. 

Nebel liegt über der Kreisstraße, Flutlicht schneidet helle Kegel in die Dunkelheit. Der Kranhaken hebt sich, der erste Stahlträger steigt auf, schwebt kurz frei und findet seinen Platz. Kein Spektakel – Präzision. 

In einer Februarnacht erreicht der Neubau der Eisenbahnüberführung (EÜ) über die K162 bei Kelsterbach einen entscheidenden Punkt: Vier tonnenschwere Stahlträger werden eingesetzt. „Einhub“ nennt das die Fachwelt – das kontrollierte, passgenaue Einsetzen vorgefertigter Bauteile in ihre endgültige Lage. Zentimetergenau. 

Hier quert die RTW-Trasse künftig die Kreisstraße. Solche Bauwerke sind Voraussetzung für einen stabilen und leistungsfähigen Bahnbetrieb: Sie trennen Verkehrsströme, erhöhen die Sicherheit und schaffen Kapazität. 

Ankunft in der Nacht: Die tonnenschweren Stahlträger erreichen die Baustelle.
Am Haken des Krans schwebt der Hauptträger seinem Platz entgegen.

Dem nächtlichen Einsatz geht sorgfältige Vorbereitung voraus. Endquerträger werden eingeschalt, eine präzise gefertigte Schalung nimmt den Beton auf, bis er erhärtet. Exakt justierte Hydraulikpressen heben die Träger an und richten sie aus. Nur wenn alles stimmt, leiten die Widerlager – die seitlichen Stützelemente der Brücke – die Kräfte gleichmäßig in den Baugrund. 

Fachkräfte bereiten Ankerlöcher vor, setzen Verbindungselemente ein und sorgen für einen kraftschlüssigen Verbund von Stahl und Beton. Auflagerflächen werden bearbeitet, damit beide Materialien optimal zusammenwirken: Stahl nimmt Zugkräfte auf, Beton vor allem Druck – erst gemeinsam entsteht Tragfähigkeit. 

Nach allen Prüfungen folgen Einhub und Auflagerung der vier Hauptträger. Kappenkonsolen und Brückenentwässerung ergänzen die Konstruktion und sichern Dauerhaftigkeit. 

Im Hellen zeigt sich das Ergebnis der Nachtarbeit: Die eingehobenen Träger bilden das tragende Rückgrat der neuen Eisenbahnüberführung über die Kreisstraße.

Auch die Zahlen zeigen die Dimension: Rund 120 Tonnen Betonstahl verstärken den Beton, etwa 1.000 Kubikmeter Ortbeton fließen in ihre endgültige Form. Hinzu kommen rund 50 Tonnen Konstruktionsstahl – darunter die montierten Hauptträger. 

Mit jedem eingehobenen Träger wächst damit ein weiteres Bauwerk der künftigen RTW-Strecke – Schritt für Schritt zur leistungsfähigen Verbindung für die Region. 

(Bilder: RTW GmbH/Gerauer)

Zurück