Präzision unter Zeitdruck: Der Brückeneinhub am Deutsche Bank Park
Auf den Bildern sieht man den spektakulären Moment: Stahlüberbauten schweben über den Gleisen, ein Großkran dominiert die Baustelle, dahinter die Frankfurter Skyline. Was man nicht sieht, ist der eigentliche Aufwand dahinter. Denn der Einhub selbst dauerte nur Stunden. Die Voraussetzungen dafür entstanden über viele Monate hinweg.
Maßarbeit inmitten zweier Großveranstaltungen: Der Großkran vor dem Deutsche Bank Park.
Der Brückeneinhub am Deutsche Bank Park gehört damit zu den logistisch anspruchsvollsten Arbeitsschritten im aktuellen Bauablauf der Regionaltangente West. Im Mittelpunkt der mehrtägigen Sperrpause standen drei Stahlüberbauten mit einer Gesamtlänge von fast 100 Metern und einem Gewicht von mehr als 400 Tonnen. Sie bilden künftig einen zentralen Abschnitt der RTW-Strecke zwischen dem Bahnhof Frankfurt (Main) Stadion und der neuen Station „Stadionbad“.
Bauen mitten im Gleisdreieck
Der Bereich rund um den Deutsche Bank Park zählt zu den logistisch komplexesten Bauabschnitten der gesamten RTW. Im sogenannten Gleisdreieck treffen zahlreiche Bahnstrecken aufeinander. Hier verlaufen Verbindungen Richtung Frankfurter Hauptbahnhof, Flughafen, Mainz und Wiesbaden, Frankfurt Süd sowie wichtige Fern-, Regional- und S-Bahn-Strecken.
Gleichzeitig ist das Stadionumfeld einer der meistfrequentierten Veranstaltungsorte der Region. Fußballspiele, Konzerte und Großveranstaltungen bestimmen regelmäßig den Betrieb vor Ort. Neue Infrastruktur entsteht hier also nicht auf freier Fläche, sondern mitten zwischen bestehenden Gleisanlagen, laufendem Bahnverkehr und Veranstaltungsbetrieb. Viele Arbeiten können deshalb nur in genau definierten Sperrpausen umgesetzt werden. Jeder Arbeitsschritt muss präzise vorbereitet und zeitlich auf zahlreiche andere Abläufe abgestimmt werden.
Bereit zum Einhub: Die Brücke wird in ihre finale Position gebracht.
Was vor dem Einhub erledigt werden musste
Bevor die Stahlüberbauten eingehoben werden konnten, mussten zunächst die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden. Entlang der künftigen Strecke entstanden mehrere Pfeiler, Widerlager und Stützbauwerke. Einige der bis zu neun Meter hohen Pfeiler wurden unmittelbar neben bestehenden Gleisanlagen errichtet.
Zusätzlich musste ein bestehender Signalausleger der Deutschen Bahn ersetzt werden. Er befand sich genau dort, wo später einer der Überbauten eingehoben werden sollte. Deshalb wurde bereits im Vorfeld ein neuer Signalausleger errichtet. Erst nachdem der alte Ausleger während der Sperrpause zurückgebaut worden war, stand der notwendige Arbeitsraum für den Einhub zur Verfügung.
Die Brückenpfeiler werden teilweise neben bestehenden Gleisanlagen errichtet.
Der Kran als eigenes Bauprojekt
Auch der Kran, der die Stahlüberbauten später einhob, musste zunächst selbst aufgebaut werden. Dafür wurden Auslegersegmente, Gegengewichte, Raupenfahrwerke und weitere Komponenten einzeln zur Baustelle transportiert. Rund 30 Transporte waren notwendig, bevor der Raupenkran vollständig montiert werden konnte. Über mehrere Tage entstand so eine Anlage mit einer Tragfähigkeit von bis zu 600 Tonnen. Erst danach konnte der eigentliche Einhub beginnen.
Die Stahlüberbauten wurden auf der Baustellenfläche vormontiert oder direkt vor dem Einhub antransportiert. Anschließend kamen sogenannte SPMTs zum Einsatz – selbstfahrende Modultransporter, die die tonnenschweren Bauteile punktgenau an ihren jeweiligen Hebepunkt brachten. Von dort übernahm der Großkran. Er hob die Stahlkonstruktionen über die bestehenden Gleisanlagen und setzte sie präzise auf den vorbereiteten Pfeilern und Widerlagern ab.
Der Modultransporter im Einsatz.
Gerade bei Arbeiten über aktiven Bahnstrecken kommt es dabei auf jeden Handgriff an. Alle Abläufe müssen exakt geplant sein, denn das Zeitfenster einer Sperrpause ist begrenzt.
Sichtbarer Fortschritt
Mit dem erfolgreichen Einhub wird nun erstmals deutlich sichtbar, wie die RTW künftig durch das Stadionumfeld verlaufen wird. Die neuen Überbauten schließen direkt an die bereits 2024 eingehobene Stabbogenbrücke an. Gemeinsam bilden sie die Grundlage für die neue, teilweise aufgeständerte Streckenführung zwischen dem Bahnhof Frankfurt (Main) Stadion und der Station „Stadionbad“.
Der Einhub zeigt damit exemplarisch, wie Infrastrukturprojekte im Bestand entstehen: Nicht durch einen einzelnen spektakulären Moment, sondern durch viele technische, logistische und organisatorische Schritte, die präzise ineinandergreifen müssen.