Warum für die RTW ein 74 Meter hoher Riese entstand

Der neue Hochspannungsmast entsteht in mehreren Bauabschnitten. Monteure fügen die Stahlkonstruktion Stück für Stück zusammen.

Zwischen Praunheim und Eschborn ragt ein neuer Hochspannungsmast in den Himmel. Die Maßnahme ist eine wichtige Voraussetzung für den Bau der Regionaltangente West: Die neue Bahnstrecke wird die bestehende 110-kV-Hochspannungsfreileitung Höchst–Bommersheim künftig unterqueren. Damit zwischen den Stromleitungen und der Oberleitung der RTW dauerhaft die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände eingehalten werden können, reichte der bisherige Mast nicht mehr aus. 

Deshalb wurde er durch einen neuen Stahlgittermast an einem benachbarten Standort an der Strecke 3611 der Homburger Bahn ersetzt. Mit rund 74 Metern Höhe ist der neue Mast etwa zehn Meter höher als sein Vorgänger. Gleichzeitig ersetzt er den bisherigen Tragmast durch einen sogenannten Abspannmast, der insbesondere an Kreuzungen mit Bahnstrecken höhere Anforderungen an Stabilität und Betriebssicherheit erfüllt. 

Der neue Hochspannungsmast entsteht direkt neben dem bestehenden Mast. Mit einer Höhe von 74 Metern überragt er seinen Vorgänger um rund zehn Meter.

Schon die Dimensionen machen deutlich, welche Ingenieurleistung hinter der Maßnahme steckt. Der neue Mast bringt rund 75 Tonnen Stahl auf die Waage. Sein Fundament misst 15 mal 15 Meter und ist drei Meter stark. Zum Vergleich: Der bisherige Mast war rund 60 Meter hoch und wog etwa 25 Tonnen. 

Ein Riese aus Stahl 

Bevor der eigentliche Aufbau beginnen konnte, wurde zunächst das Fundament hergestellt. Anschließend härtete der Beton rund vier Wochen aus. Parallel dazu wurden die einzelnen Stahlbauteile vormontiert und mit Tiefladern zur Baustelle transportiert. 

Spezielle Schutzgerüste sichern die parallel verlaufende Bahnstrecke 3611 während der Arbeiten. 

Der Mastaufbau erfolgte Mitte August über mehrere Tage. Rund 15 Monteure errichteten gemeinsam mit der Bauleitung den Stahlgittermast Stück für Stück. Zwei Schwerlast-Autokräne hoben die vormontierten Bauteile an ihren Platz. Zunächst entstand der Mastschaft. Anschließend wurden die Traversen montiert und die bestehenden Leiterseile schrittweise auf den neuen Mast übernommen. Erst danach begann der Rückbau des alten Mastes. 

Besonders anspruchsvoll waren die Arbeiten unmittelbar an einer bestehenden Hochspannungsleitung. Dafür waren aufwendig abgestimmte Schaltkonzepte erforderlich. Während einzelne Stromkreise zeitweise abgeschaltet wurden, blieb ein Teil der Leitung in Betrieb, um die Stromversorgung jederzeit sicherzustellen. Spezielle Schutzgerüste sicherten während der Arbeiten die parallel verlaufende Bahnstrecke 3611. 

Im Fachjargon wird der Aufbau des Mastes „Stocken“ genannt. Anschließend werden die Traversen montiert und die Stromleitungen schrittweise auf den neuen Mast übernommen.

Der neue Hochspannungsmast gehört nicht zur eigentlichen Bahninfrastruktur der Regionaltangente West – und ist dennoch ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Erst die Anpassung der bestehenden Freileitung schafft die Voraussetzung dafür, dass die RTW die Leitung künftig sicher unterqueren kann. 

Infrastruktur greift ineinander 

Das Beispiel zeigt, wie komplex der Bau einer neuen Bahnstrecke ist. Bevor später Züge fahren können, müssen bestehende Infrastrukturen an vielen Stellen angepasst werden. Brücken, Leitungen, Straßen und Gleisanlagen greifen dabei wie Zahnräder ineinander – oft unsichtbar für die Öffentlichkeit, aber unverzichtbar für das Gesamtprojekt. 

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