Was man nicht sieht: Die besonderen Herausforderungen auf RTW-Baustellen

Die hochsensiblen Steuerkabel durften nicht außer Betrieb genommen werden.

Bevor auf einer Baustelle der Regionaltangente West ein Brückeneinschub stattfinden kann, laufen im Hintergrund Arbeiten, die für Außenstehende kaum sichtbar sind – für den Projekterfolg jedoch entscheidend. Dazu können hochsensible Kabelarbeiten zählen, die präzise Planung, technisches Know-how und größte Sorgfalt erfordern. 

Im Fall von Kelsterbach verliefen Steuerkabel im Baugrund, die eine zentrale Funktion im Bahnverkehr übernehmen. Über sie werden Signale und Weichen geschaltet – kurz gesagt: Sie sind Teil des sicherheitsrelevanten Nervensystems des Schienenbetriebs. Ein Schaden hätte unmittelbare Auswirkungen auf den laufenden Verkehr, von Signalstörungen bis hin zu betrieblichen Einschränkungen. 

Normalerweise liegen diese Kabel geschützt im Boden. Beim Bau von Schieneninfrastruktur – insbesondere bei der Herstellung von Ingenieurbauwerken – muss jedoch oft tief in den Untergrund eingegriffen werden. Da der Einschub in der Regel erst nach Fertigstellung des Bauwerks erfolgt und der Bahnverkehr bis dahin möglichst uneingeschränkt weiterlaufen soll, dürfen die Kabel weder beschädigt noch außer Betrieb genommen werden. Um die Arbeiten sicher durchführen zu können, hebt das Projektteam die sensiblen Leitungen kontrolliert an und führt sie temporär über das Baufeld – sichtbar wie eine Art „Seilbrücke“. So bleiben die Kabel während der gesamten Bauphase funktionsfähig und zugleich vor mechanischen Einwirkungen geschützt. 

Stattdessen wurden sie angehoben und wie eine „Seilbrücke“ über die Baugrube geführt.

Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Temperatur dar. Sinkt sie unter etwa fünf Grad Celsius, verlieren die Kabel ihre Flexibilität und werden spröde – ein Risiko beim Bewegen und Umlagern. Deshalb umhüllt das Team die Leitungen mit Dämmmatten und integriert Heizschläuche, die konstante Temperaturen von rund 35 Grad gewährleisten. 

Diese Phase zählt zu den kritischsten Abschnitten eines solchen Bauprojekts. Entsprechend hoch ist die Anspannung auf der Baustelle. Gleichzeitig steht fest: Ohne diese aufwendigen Vorarbeiten lässt sich ein Brückeneinschub nicht realisieren. 

Erst diese Vorarbeiten machten den erfolgreichen Brückeneinschub möglich.

Nach dem erfolgreichen Einschub beginnt der umgekehrte Weg. Die Baugrube wird weiter verfüllt, die Kabel werden vorsichtig ausgepackt, zurück in den Boden gelegt und dauerhaft geschützt. Erst danach folgen die nächsten Schritte im Ausbau der Strecke. 

Die Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie viel technische Präzision, vorausschauende Planung und Verantwortung hinter jedem einzelnen Bauabschnitt stecken. Sie stehen beispielhaft für die Herausforderungen auf RTW-Baustellen – und dafür, wie Baufortschritt und sicherer Bahnverkehr auch unter komplexen Bedingungen miteinander vereinbart werden. 

(Bilder: RTW GmbH)

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