Wo Alt und Neu zusammenfinden

Ein Blick hinter die Kulissen des Großprojekts: Wie intelligente Ein- und Ausfädelungen die neue Infrastruktur der Regionaltangente West nahtlos und kreuzungsfrei mit dem bestehenden Schienennetz verbinden. 
 

Diese Visualisierung macht sichtbar, wie Alt und Neu bei der Regionaltangente West (RTW) zusammenwachsen. Der Ausschnitt aus dem Abschnitt Nord veranschaulicht ein zentrales Prinzip des gesamten Projekts: die intelligente Verknüpfung der neuen RTW-Trasse mit dem bestehenden Schienennetz. Werfen wir einen genaueren Blick auf die Details.  

In Dunkelblau ist die bestehende Strecke 3611 dargestellt – die sogenannte Homburger Bahn. Links oben verläuft sie in Richtung Oberursel und weiter nach Bad Homburg. Unten mittig ist die neue RTW-Trasse in Hellblau zu sehen. 

Gut zu erkennen ist, wie die neue RTW-Trasse die Bestandsstrecke auf einer Eisenbahnüberführung kreuzt und weiter Richtung Praunheim führt. Im Hintergrund der Visualisierung ist die Brücke über die Autobahn A5 zu sehen. Gleichzeitig zeigt die Visualisierung zwei Verbindungen zu der Strecke Richtung Bad Homburg. Sie sind entscheidend: Damit die Züge künftig reibungslos zwischen den beiden Strecken wechseln können, braucht es sogenannte Ein- und Ausfädelungen. 

Die Visualisierung zeigt das Grundprinzip der Regionaltangente West: Von der rund 52 Kilometer langen Gesamtstrecke werden etwa 22 Kilometer neu gebaut. Auf den übrigen Abschnitten nutzt die RTW bereits vorhandene Eisenbahninfrastruktur. Erst dieses Zusammenspiel aus Neubau und Bestandsstrecken, das auf dem Bild deutlich wird, macht die durchgehende Verbindung durch das Rhein-Main-Gebiet möglich.

Wie funktionieren Ein- und Ausfädelungen? 

Vereinfacht lassen sich Ein- und Ausfädelungen mit Auf- und Abfahrten einer Autobahn vergleichen. Sie ermöglichen Zügen den Wechsel zwischen zwei Strecken – in unserer Visualisierung von der neuen RTW-Trasse auf die Homburger Bahn und umgekehrt. Ob von einer Ein- oder Ausfädelung die Rede ist, hängt allein von der Fahrtrichtung ab. 

Der Vergleich hat allerdings Grenzen: Anders als Autos können Züge ihre Fahrspur nicht frei wechseln, sondern sind an ihre Gleise gebunden. Weichen, Kreuzungen und Ingenieurbauwerke müssen deshalb so geplant werden, dass die Fahrwege eindeutig vorgegeben sind und die Züge sicher verkehren können. Ein- und Ausfädelungen verlaufen daher über lange, sanft geschwungene Gleisbögen. So können die Züge sicher und komfortabel von einer Strecke auf die andere wechseln. 

Nutzen, was schon da ist: Die Karte verdeutlicht die intelligente Verknüpfung des bestehenden Schienennetzes (grau) mit den neuen Ergänzungen der RTW (hellblau).

Auf der Visualisierung ist gut zu erkennen, dass sich die Gleise nicht auf gleicher Höhe kreuzen, sondern übereinandergeführt werden. Im Fachjargon heißt das: planfrei statt niveaugleich. Das bedeutet: Die Schienenwege kreuzen sich nicht ebenerdig. Mithilfe von Brücken, Rampen oder Überwerfungsbauwerken – wie der dargestellten Eisenbahnüberführung – werden die Gleise auf unterschiedlichen Ebenen geführt. 

Dadurch können Züge gleichzeitig und unabhängig voneinander verkehren. Sie müssen sich an den Kreuzungspunkten nicht gegenseitig abwarten. Das erhöht die Leistungsfähigkeit des gesamten Netzes und schafft die Voraussetzung für einen stabilen und pünktlichen Betrieb. 

Im Abschnitt Nord wird dieses Prinzip derzeit Realität. Hier wird die RTW mit der Homburger Bahn verknüpft – eine wichtige Voraussetzung für eine durchgehende, umweltfreundliche Verbindung durch das Rhein-Main-Gebiet, ohne überall neue Gleise bauen zu müssen. 

Dieser Abschnitt ist nur ein Beispiel. Entlang der gesamten RTW-Strecke kommen Ein- und Ausfädelungen dort zum Einsatz, wo Neubaustrecken auf bestehende Eisenbahnstrecken treffen. Ein weiteres Beispiel findet sich etwa östlich von Kelsterbach. Dort schließt die RTW an die bestehende Strecke 3683 an. Auch hier sorgen neue Ingenieurbauwerke dafür, dass die Trassen kreuzungsfrei miteinander verknüpft werden und ein leistungsfähiger Bahnbetrieb möglich wird. 

Zurück