Unterwegs unter der Oberfläche – Durchpressungen im Bauabschnitt Nord

Wer an den Baustellen im Abschnitt Nord vorbeikommt, bekommt von einem wichtigen Teil der Arbeiten kaum etwas mit – und genau das ist Absicht. Während an der Oberfläche der Verkehr weiterrollt, wird unterirdisch auf Hochtouren gearbeitet: Es laufen Durchpressungen, bei denen Rohre unter Straßen und Gewässern hindurchgeschoben werden, ganz ohne große Baugrube.

Bautätigkeiten Lorscher Straße: Während oberirdisch der Verkehr auf der Lorscher Straße weiterläuft, entsteht darunter per Durchpressung neue Infrastruktur für die RTW – präzise und nahezu ohne Eingriffe in den laufenden Verkehr.

Bei einer Durchpressung – auch grabenloser Rohrvortrieb mit Bodenverdrängung oder Bodenentnahme genannt – wird ein Rohrabschnitt von einer sogenannten Startbaugrube aus mithilfe hydraulischer Pressen unter einem Hindernis durch den Boden geschoben. Je nach Bodenbeschaffenheit und Rohrdurchmesser kommen dabei unterschiedliche technische Verfahren zum Einsatz: Der Boden wird entweder verdrängt oder am Rohrkopf kontrolliert gelöst und abtransportiert.

Das Verfahren ist technisch anspruchsvoll, aber besonders schonend – denn es erfordert nur wenig Platz an der Oberfläche und vermeidet großflächige Eingriffe in den Verkehr oder in sensible Umweltbereiche. Diese Bauweise kommt immer dann zum Einsatz, wenn offene Rohrgräben keine Option sind – etwa bei Unterquerungen von Straßen, Gleisen oder Gewässern.

Grabenlos, präzise, nachhaltig

Bautätigkeiten Westerbach: Unter dem Westerbach wird mithilfe grabenloser Bauweise gearbeitet. So können neue Leitungen verlegt werden, ohne den Bachlauf oder das sensible Wasserschutzgebiet unnötig zu beeinträchtigen.

Ein Beispiel dafür ist die Durchpressung unter der Lorscher Straße in Eschborn.
Hier wird ein neuer Leitungsabschnitt unter einem stark befahrenen Verkehrsweg hindurchgeführt, der die B 456 mit der Mainstraße verbindet. Während über der Baustelle täglich tausende Fahrzeuge unterwegs sind, werden unterirdisch die Rohre in den Boden gepresst – ohne den Straßenverkehr nennenswert zu beeinträchtigen. Durch diese Bauweise bleibt die wichtige Verkehrsader vollständig nutzbar, während gleichzeitig unterirdische Infrastruktur für die Regionaltangente West entsteht.

Ein zweites Projekt betrifft die Durchpressung unter dem Westerbach, einem natürlichen Gewässer. Hier liegt das Baufeld innerhalb einer Wasserschutzgebietszone IIIA, wodurch besonders strenge Anforderungen gelten. Die grabenlose Bauweise schützt den Bachlauf und das Grundwasser, da keine offene Baugrube erforderlich ist. So kann selbst in ökologisch sensiblen Bereichen sicher und nachhaltig gearbeitet werden.

Auch unter dem Bahndamm am Haltepunkt Eschborn Süd wurde eine Durchpressung durchgeführt. Details dazu sind in einem weiteren Blogbeitrag zu finden.

Warum diese Bauweise entscheidend ist

Gerade im Rhein-Main-Gebiet zeigt sich, warum die Durchpressung für den Bau der RTW so wichtig ist. Die Tangente entsteht in einem der dichtest besiedelten und verkehrlich am stärksten vernetzten Räume Deutschlands. Straßen, Autobahnen, bestehende Bahnlinien, Gewerbegebiete und gewachsene Siedlungsstrukturen liegen oft dicht beieinander – der Platz für neue Infrastruktur ist knapp.

Gleichzeitig sollen bestehende Wege und Verbindungen so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Unter diesen Voraussetzungen ist es häufig keine Option, die Oberfläche großflächig zu öffnen. Stattdessen wird dort gebaut, wo noch Raum ist: unter der Erde. Die Durchpressung ermöglicht es, unter laufendem Verkehr und durch komplexe Strukturen hindurch neue Verbindungen zu schaffen – präzise, sicher und nachhaltig.

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